The Witch (2015) – Metascore: 83 – Meine Bewertung: 9/10

Kernaussage
Robert Eggers’ Debüt erschafft einen slow-burn Horror aus puritanischem Aberglauben und familiärer Paranoia – ein beklemmendes Kunstwerk, das historische Authentizität als Vehikel für metaphysischen Schrecken nutzt.

Handlung
Neuengland, 1630: Die strenggläubige Puritaner-Familie wird nach einem Glaubenskonflikt aus der Siedlung verbannt und siedelt am Rand eines unheimlichen Waldes. Als das Neugeborene Samuel plötzlich verschwindet, beschuldigen sich die Familienmitglieder gegenseitig. Älteste Tochter Thomasin (Anya Taylor-Joy) gerät ins Visier, während der Wald seine Bewohner offenbart: eine Hexe, die Blut und Unschuld fordert.

Stärken
Eggers’ minutiöse Recherche spiegelt sich im archaischen Englisch („Wouldst thou like to live deliciously?“) und naturalistischen Kostümen wider. Mark Korvens Score aus Geigenkreischen und Schamanentrommeln löst Urangst aus. Die praktischen Effekte – von der Knochenhexe bis zur schwarzen Ziege Black Phillip – wirken ekelhaft greifbar. Anya Taylor-Joys Performance balanciert Unschuld und dämonische Ambivalenz perfekt. Die Atmosphäre ist ein toxischer Cocktail aus religiösem Wahn und Naturgewalt („This wood is cursed!“). Der finale Akt verwandelt psychologischen Horror in mythologische Offenbarung.

Schwächen
Das langsame Tempo und historische Dialekte können Zuschauer ohne Genre-Geduld überfordern. Die Eltern (Ralph Ineson/Kate Dickie) agieren oft eindimensional als strenge Antagonisten. Einige Symboliken (der apokalyptische Apfel) wirken zu aufdringlich. Die Hexen-Auftritte bleiben bis zum Finale zu vage, was Spannung kostet.

Warum Note?
Der Metascore (83) würdigt die künstlerische Ambition – meine 9/10 betonen die kulturelle Bedeutung: Eggers begründete mit „The Witch“ den „Folk-Horror“-Revival und widerlegte, dass Horror auf Jump Scares reduzierbar sei. Der Abzug gilt dem stellenweise überambitionierten Sprachrealismus, der die Zugänglichkeit mindert.

Fazit
„The Witch“ ist wie ein vergrabener Fluch im Ackerboden: langsam keimend, wurzelnd im kollektiven Trauma und erntend, was wir am meisten fürchten – den Verrat durch das eigene Blut. Ein Albtraum aus Leinen und Schuld, gewoben mit puritanischer Strenge.