Los Angeles, 1977: Ein schlampiger Privatdetektiv und ein brutaler Auftragsschläger jagen eine vermisste Frau – und stolpern dabei über Leichen, Pornoringe und Autolobby-Verschwörungen. The Nice Guys ist eine temporeiche Buddy-Komödie, die Slapstick mit neo-noir-Elementen mischt.
Handlung kurz erklärt
Holland March (Ryan Gosling) ist ein trunksüchtiger Privatdetektiv, der mit seiner cleveren Tochter Holly (Angourie Rice) in einer Mietwohnung haust. Als ihn eine ältere Dame beauftragt, die angeblich tote Pornodarstellerin Misty Mountains zu finden, landet er auf der Spur von Amelia Kuttner – der rebellischen Tochter einer Justizbeamten. Amelia engagiert ihrerseits den rabiaten Schuldeneintreiber Jackson Healy (Russell Crowe), um March zu vertreiben. Doch als beide merken, dass Amelia in tödlicher Gefahr steckt, verbünden sie sich widerwillig. Ihre Suche führt sie von Prostituierten-Partys über brennende Häuser bis zur Automesse von Detroit, wo ein brisanter Pornofilm eine Umweltverschwörung aufdecken soll.
Was den Film besonders macht
- Gosling & Crowe als Traumduo:
Gosling glänzt als tollpattiger March – ob er betrunken eine Leiche entdeckt und schreiend einen Abhang hinunterstolpert oder hilflos im WC sitzend mit einer Pistole fuchtelt. Crowe spielt den stoischen Healy als perfekten Gegenpart: ein Mann, der Arme bricht, aber moralische Grenzen zieht („Ich schlage keine Mädchen“). Ihre absurden Dialoge („Wir sind die Guten?!“) und schräge Teamdynamik tragen den Film.
- Holly als heimlicher Star:
March‘ Tochter Holly ist nicht nur Klugscheißerin, sondern auch moralisches Gewissen. Sie dokumentiert Beweise auf Karteikarten, durchschaut Lügen – und rettet den „Nice Guys“ mehrmals das Leben. Ihr trockener Kommentar zu den Erwachsenen: „Ihr seid alle schlecht im Ermitteln!“
- Perfektes 70er-Feeling:
Neon-Schriftzüge, Schlaghosen und ein Soundtrack mit Earth, Wind & Fire verwandeln LA in eine schillernde Zeitkapsel. Selbst die Gewalt wirkt wie aus einem Grindhouse-Film: Ein Bösewicht landet mit Platschen im Pool, ein Auto kracht im Zeitlupen-Ballett in eine Litfaßsäule.
- Schwarzhumor mit Biss:
Regisseur Shane Black (Lethal Weapon) inszeniert Morde als Slapstick: Ein Killer stürzt lachend von einem Hochhaus, während March daneben hilflos nach seiner Waffe kramt. Sogar ein sterbender Schurke stöhnt: „Das ist viel schmerzhafter, als es im Fernsehen aussieht!“
Schwächen
- Wirrer dritter Akt:
Die Umweltverschwörung wird mit Auto-Managern, korrupten Beamten und drei Killergruppen überfrachtet. Das Finale auf der Automesse wirkt hektisch – zu viele Schüsse, zu wenig Klarheit.
- Unausgeschöpfte Nebenfiguren:
Matt Bomers charmanter Killer „John Boy“ bleibt unterentwickelt, Kim Basingers Justizministerin wirkt wie eine Statue.
- Logik? Egal!:
Warum überlebt March Stürze aus dem dritten Stock? Wieso findet Holly ihre Vater immer in Krisengebieten? Der Film opfert Plausibilität für Gags.
Fazit
The Nice Guys ist wie eine wilde Autojagd durch 70er-Jahre-LA: ruppig, laut und voller kaputter Stoßstangen. Der Film überzeugt nicht durch seine wirre Story, sondern durch die geniale Dynamik von Gosling und Crowe – zwei Antihelden, die unfreiwillig zu Helden werden. Dazu kommen ikonische Slapstick-Momente und eine Tochter, die allen zeigt, wo’s langgeht. Wer Action mit schwarzem Humor mag, wird hier reich belohnt. Wer stringente Plots braucht, sollte woanders suchen.