The Lighthouse (2019) – Ein Albtraum aus Meer, Wahnsinn und Einsamkeit | Metascore 83

The Lighthouse entführt in die düstere Welt zweier Leuchtturmwärter, die im späten 19. Jahrhundert auf einer abgelegenen Insel gegen Stürme, Alkohol und den eigenen Verstand kämpfen. Regisseur Robert Eggers erschafft ein beklemmendes Psychodrama mit schwarz-weißen Bildern und hypnotischer Atmosphäre.

Handlung kurz erklärt

Der junge Ephraim Winslow beginnt als Gehilfe des grantigen Leuchtturmwärters Thomas Wake auf einer kargen Insel. Während Wake den Zugang zum Leuchtfeuer verwehrt, schuftet Winslow mit monotonen Arbeiten. Ein wochenlanger Sturm schneidet sie vom Festland ab. Alkohol, Isolation und Halluzinationen lassen das fragile Verhältnis kippen – gegenseitige Anschuldigungen münden in Wahn und Gewalt.

Was den Film besonders macht

  1. Visueller Sog:
    Schwarz-Weiß-Bilder im fast quadratischen Format wirken wie historische Fotos. Licht- und Schattenspiele verzerren Gesichter zu dämonischen Masken, Nebel wabert wie lebendig über Felsen.
  2. Schauspieler-Duell:
    Robert Pattinson und Willem Dafoe liefern eine intensive Performance: Dafoe brüllt Flüche wie ein besoffener Kapitän, Pattinson agiert mit stummem Hass. Ihr gemeinsamer Absturz in Trink-Exzessen wirkt grotesk und fesselnd.
  3. Bedrohliche Klangwelt:
    Ständiges Möwengeschrei, heulende Winde und dröhnende Nebelhörner erzeugen eine lärmende Hölle. Selbst tropfendes Wasser oder knarrende Dielen werden zu Folterinstrumenten.
  4. Mythen und Wahn:
    Tote Meerjungfrauen, Möwen als „Seelen toter Matrosen“ und rätselhafte Andeutungen über das Leuchtfeuer verwischen Realität und Halluzination.

Schwächen

  • Verwirrender Schluss:
    Das Finale bietet mehr Bilder als Antworten. Die symbolträchtigen Szenen – etwa ein nackter, von Möwen zerfressener Winslow – klären kaum, was real war.
  • Langsamer Start:
    Die erste Stunde wiederholt Konflikte (schuften, schimpfen, trinken) ohne große Entwicklung.
  • Schwer verständliche Dialoge:
    Altertümlicher Seemanns-Slang und verschluckte Wörter machen Gespräche teilweise mühsam.

Fazit

The Lighthouse ist ein filmischer Albtraum über menschliche Abgründe in extremer Isolation. Eggers meißelt mit engen Bildern und beklemmendem Sound ein Porträt des Wahnsinns. Wer experimentelles Kino sucht, das Klaustrophobie und Paranoia spürbar macht, wird fasziniert sein. Wer klare Handlungen bevorzugt, könnte im Nebel der Andeutungen verloren gehen.