David Finchers Gone Girl ist wie ein fieser Streich, der dich fesselt, auch wenn du genau weißt, dass er dir nicht guttut. Die Geschichte von Nick (Ben Affleck) und Amy Dunne (Rosamund Pike) beginnt als klassischer Krimi: An ihrem fünften Hochzeitstag verschwindet Amy spurlos, und alle Beweise deuten auf Nick als Mörder. Was folgt, ist ein nervenaufreibendes Spiel aus Lügen, Medienhysterie und entlarvten Ehefassaden.
Was funktioniert:
- Rosamund Pikes atemberaubende Leistung als Amy ist der unbestrittene Höhepunkt. Sie spielt die manipulierte Unschuld und kaltblütige Strippenzieherin mit gleicher Überzeugungskraft. Ihre Präsenz macht jede Szene zum elektrisierenden Schlag.
- Finchers düstere Handschrift: Glatte Kamerafahrten, eisige Farben und ein bedrohlicher Score von Trent Reznor schaffen eine Atmosphäre wie in einem Albtraum. Besonders die Medien-Satire trifft ins Schwarze – von der sensationslüsternen TV-Moderatorin (karikiert nach Nancy Grace) bis zu Nick’s hilflosen Versuchen, sein Image zu retten.
- Der geniale Twist zur Mitte: Ohne zu viel zu verraten – die Perspektive wechselt plötzlich, und aus dem „Hat-er-sie-umgebracht?“-Drama wird ein psychologisches Duell. Diese Wende hält den Film am Leben, auch wenn er später schwächelt.
- Schwarzer Humor: Wenn Amy in ihrer Fluchtphase plötzlich mit gestohlenen Geldscheinen wedert oder Nicks Anwalt (Tyler Perry) trocken kommentiert: „In diesem Fall geht’s darum, was die Leute von dir halten“ – da entladen sich die Spannungen in Lachen.
Wo es hakt:
- Das Ende polarisiert: Viele fanden den Schluss unbefriedigend. Ohne Spoiler: Nach all den Wendungen wirkt die Lösung wie ein Aufgeben. Statt klarer Antworten gibt es bequeme Auswege – das frustriert.
- Länge und Tempo: Mit 2,5 Stunden braucht der Film zu lange, um Fahrt aufzunehmen. Die erste Stunde fühlt sich wie ein zähes Puzzle-Spiel an.
- Klischees und Logiklücken: Neil Patrick Harris als Amys exzentrischer Ex-Freund wirkt wie eine Karikatur, und manche Handlungsentscheidungen (z. B. wie Amy ihre Spuren verwischt) sind einfach zu absurd, um glaubwürdig zu sein.
Warum gefiel er mir nicht?
Gone Girl ist ein Thriller, der viel wagt: Er kombiniert Ehedrama mit Medienkritik und wirft beklemmende Fragen auf: Wie viel Performance steckt in jeder Beziehung? Kann man jemals wissen, wer der Partner wirklich ist? Doch so ambitioniert das ist – die Umsetzung bleibt unausgeglichen. Die erste Hälfte ist spannendes Kino, die zweite rutscht in übertriebene Dramatik ab. Rosamund Pike und Finchers Stil retten den Film, aber die Schwächen im Script und die Längen kosten Punkte.
Fazit:
Ein Fragen aufwerfender Thriller. Wer psychologische Spannung mag und sich für Medienhysterie interessiert, wird viel Stoff zum Grübeln finden. Wer logische Handlungen und klare Lösungen braucht, könnte enttäuscht sein. Trotz seiner Macken bleibt Gone Girl ein Film, über den man noch lange diskutiert – und das ist vielleicht sein größtes Kompliment.