Baby Driver (2017) – Rhythmus, Raserei und ein roter Subaru | Metascore 86

Edgar Wrights Baby Driver ist ein actiongeladenes Musik-Feuerwerk: Fluchtautos tanzen im Takt der Songs, Schüsse treffen den Beat, und der schweigsame Hauptheld steuert sich durch ein Labyrinth aus Verbrechen und Träumen. Ein Film, der Actionkino wie ein DJ mixt – laut, schnell und voller Stil.

Handlung kurz erklärt

Baby, ein junger Fluchtwagenfahrer mit Tinnitus, arbeitet für den Gangsterboss Doc, um eine alte Schuld zu begleichen. Ständig hört er Musik, um das Pfeifen in seinen Ohren zu übertönen. Als er die Kellnerin Debora trifft, will er aussteigen. Doch Doc zwingt ihn zu einem letzten Job mit gefährlichen Partnern: dem unberechenbaren Bats, sowie dem charmanten, aber brutalen Paar Buddy und Darling. Als der Überfall schiefgeht, beginnt eine gnadenlose Jagd – und Baby muss nicht nur sein Leben, sondern auch Debora beschützen.

Was den Film besonders macht

  1. Musik als Regisseur:
    Jede Szene folgt dem Rhythmus des Soundtracks. Bremsschreie passen zu Gitarrenriffs, Schüsse werden zu Drumbeats, und selbst das Kaffeekochen synchronisiert sich mit der Hintergrundmusik. Die Eröffnungsverfolgungsjagd zu „Bellbottoms“ ist ein atemloses Ballett aus Reifenquieken und Tempowechseln.
  2. Echte Action statt CGI:
    Die spektakulären Fahrmanöver wurden mit echten Autos gedreht. Drifts durch enge Gassen, 180-Grad-Drehungen und Hochgeschwindigkeits-Verfolgungen fühlen sich greifbar gefährlich – weil sie es sind.
  3. Stil mit Substanz:
    • Baby (Ansel Elgort) kommuniziert mehr durch Blicke und Kopfhörer als durch Worte. Seine Szenen mit dem tauben Pflegevater Joseph zeigen sanfte Tiefe.
    • Die Farben explodieren: Babys roter Subaru, Darlings pinkes Outfit, das Neon der Großstadt.
    • Jon Hamm als Buddy ist faszinierend: charmant als Gangster, furchterregend als Rächer.

Schwächen

  • Zuviel Style, zuwenig Tiefe:
    Nebenfiguren wie Bats (Jamie Foxx) bleiben Klischees („verrückter Killer“), und Deborahs Charakter hat kaum Entwicklung.
  • Finale schwächelt:
    Die cleveren Autojagden weichen konventionellen Schießereien. Buddys Wandlung vom coolen Komplizen zum besessenen Mörder wirkt übertrieben.
  • Logiklücken:
    Warum plant Baby keine Flucht früher? Wieso lässt Doc ihn am Ende gehen? Solche Fragen bleiben offen.

Fazit

Baby Driver ist wie eine perfekt produzierte Single: Man tanzt, grinst und spürt den Adrenalin-Kick – auch wenn der Text nicht immer tiefgründig ist. Edgar Wright schafft ein hyperstilisiertes Action-Märchen, das durch Tempo, Choreografie und pure Lebensfreude überzeugt. Wer Filme liebt, die Kino pur sind (laut, bunt und voller Hingabe), wird hier süchtig nach dem Beat. Einfach Kopfhörer auf, Volume hoch – und genießen.