Annihilation (2018) – Ein Trip in fremdes Terrain | Metascore 79

Ein meteoritenartiges Objekt schlägt an der Küste Floridas ein und bildet eine schillernde, wabernde Zone: „The Shimmer“. Fünf Wissenschaftlerinnen betreten dieses rätselhafte Gebiet – und finden eine Welt vor, in der Naturgesetze außer Kraft gesetzt scheinen. Annihilation ist ein Science-Fiction-Thriller, der auf visuelle Verstörung und philosophische Tiefe setzt statt auf einfache Antworten.

Handlung kurz erklärt

Die Biologin Lena (Natalie Portman) schließt sich einer Expedition an, um „Area X“ zu erforschen. Ihr Motiv: Ihr Mann Kane (Oscar Isaac) kehrte als einziger Überlebender einer vorherigen Mission zurück – todkrank und ohne Erinnerung. Zusammen mit der Psychologin Dr. Ventress (Jennifer Jason Leigh), der Physikerin Josie (Tessa Thompson), der Anthropologin Cass (Tuva Novotny) und der Rettungssanitäterin Anya (Gina Rodriguez) dringt Lena in die Zone ein. Dort erleben sie beunruhigende Phänomene: Pflanzen wachsen in Menschenform, Tiere mutieren zu Hybridwesen (ein Albino-Alligator mit Haifischzähnen!), und ihre eigene DNA beginnt sich zu verändern. Je näher sie dem Leuchtturm-Epizentrum kommen, desto mehr löst sich die Realität auf.

Was den Film besonders macht

  1. Visuelle Alpträume:
    Der „Shimmer“ gleicht einem begehbaren Dali-Gemälde: Bäume werden zu Kristallskulpturen, Pilze formen psychedelische Wachstumsmuster, und in einer Schlüsselszene erstarrt ein Mensch zu einem blühenden Skulpturen-Garten. Diese Bilder bleiben im Kopf.
  2. Wissenschaft als Horror:
    Statt Aliens oder Monstern bedroht hier die Natur selbst. Pflanzen überwuchern Schädeldächer, Rehe tragen blühende Geweihe, und ein Bär schreit mit der Stimme seiner letzten Opfer. Die Angst entsteht aus der Entfremdung des Vertrauten.
  3. Frauen im Fokus:
    Das reine Frauenteam ist kein Quoten-Gag. Jede Figur verkörpert eine Reaktion auf das Unfassbare: Lena kämpft mit wissenschaftlicher Neugier, Josie ergibt sich poetisch dem Wandel, Ventress jagt selbstzerstörerisch nach „Wahrheit“.
  4. Das unheimliche Finale:
    Im Leuchtturm trifft Lena auf eine sich spiegelnde, tanzende Entität – keine böse Macht, sondern eine unberechenbare Kraft, die Leben neu kombiniert. Ihre Konfrontation wirkt wie ein psychedelisches Ballett zwischen Faszination und Schrecken.

Schwächen

  • Verwirrende Logik:
    Die Regeln des „Shimmers“ bleiben vage. Warum verändert es DNA? Wieso lösen sich manche Menschen in Licht auf, andere mutieren? Wer Klarheit will, wird frustriert.
  • Emotionale Distanz:
    Lenas Eheprobleme und Schuldgefühle wirken wie Pflichtelemente. Die Chemie zwischen ihr und Kane bleibt blass – dabei soll sie der emotionale Antrieb sein.
  • Unterentwickelte Nebenrollen:
    Cass und Anya sterben früh, ohne dass ihre Charaktere wirklich erkundet werden. Ihre Funktion: Bedrohung demonstrieren.

Fazit

Annihilation ist kein Film für nebenbei. Er ist ein visuell atemberaubendes Gedankenexperiment über Selbstzerstörung und Veränderung – inspiriert von Krebszellen, die sich unkontrolliert teilen. Die Bilder (der Kristallwald! der Schrei-Bär!) brennen sich ein, das Ende provoziert Diskussionen. Wer Action-Sci-Fi erwartet, könnte enttäuscht sein. Wer sich auf rätselhafte, beunruhigende Kunst einlässt, erlebt ein Kino-Abenteuer, das noch lange nachwirkt.