Nach Blockbustern wie „Aladdin“ kehrt Regisseur Guy Ritchie mit The Gentlemen zu seinen Wurzeln zurück: ein Londoner Gangsterfilm voller scharfer Dialoge, verschachtelter Plots und schillernder Antihelden. Matthew McConaughey spielt einen Marihuana-Baron, der sein Imperium verkaufen will – und dabei eine Lawine von Erpressung, Intrigen und schwarzem Humor auslöst.
Handlung kurz erklärt
Der charismatische Amerikaner Mickey Pearson (Matthew McConaughey) hat in England ein Marihuana-Imperium aufgebaut – versteckt in den Kellern aristokratischer Landsitze. Als er sein Geschäft für 400 Millionen Pfund verkaufen will, beginnt ein Kampf um die Macht:
- Der zwielichtige Journalist Fletcher (Hugh Grant) erpresst Mickey’s rechte Hand Ray (Charlie Hunnam) mit brisanten Enthüllungen.
- Der chinesische Gangsterboss Dry Eye (Henry Golding) will die Kontrolle an sich reißen.
- Der Box-Trainer „Coach“ (Colin Farrell) wird unfreiwillig in die Konflikte gezogen, als seine Schützlinge in einen Einbruch verwickelt sind.
In einer meta-erzählten Geschichte voller Rückblenden und falscher Fährten kämpfen alle um Geld, Ehre und Überleben.
Was den Film besonders macht
- Guy Ritchies Markenzeichen:
Verschnörkelte Dialoge, abrupte Zeitsprünge und brutale Slapstick-Gewalt – hier zeigt Ritchie, was ihn einst mit Filmen wie „Snatch“ berühmt machte. Besonders die Erzählstruktur (Fletcher „verkauft“ die Geschichte als Drehbuch namens Bush) gibt dem Film spielerische Freiheit.
- Hugh Grants überraschende Wandlung:
Als schmieriger Erpresser Fletcher liefert Grant eine seiner frechsten Rollen: mit Cockney-Slang, grellen Anzügen und zynischen Monologen. Seine Interaktionen mit Charlie Hunnams stoischem Ray sind die dynamischsten Szenen.
- Stilvolles Ensemble:
McConaughey glänzt als nobler Drogenboss mit moralischem Kompass („Ich verkaufe kein Heroin!“), Colin Farrell als pragmatischer „Coach“ mit Herz für Problem-Jugendliche – und Michelle Dockery als Mickey’s toughe Ehefrau, die in High Heels Autos repariert.
- Schwarzhumorige Action:
Ritchie inszeniert Gewalt als makabre Komödie: Ein Dieb landet in einer Schweinezucht, eine Schießerei in einem Edelrestaurant endet mit Blutlachen unter Kronleuchtern, und ein Kung-Fu-Kampf wird von Fletcher sarkastisch kommentiert.
Schwächen
- Klischeehafte Darstellungen:
Asiatische Charaktere werden als rücksichtslose „Gelbe Gefahr“-Stereotype gezeichnet, schwule Figuren als lächerliche Karikaturen. Die Diskussionen über „Political Correctness“ wirken wie Rechtfertigungen für billige Provokationen.
- Unausgereifte Handlungsstränge:
Die Vergewaltigungsandrohung gegen Mickey’s Frau dient nur als billiger Spannungsbooster – und wird nie thematisiert. Der russische Mafiaboss verschwindet einfach aus der Geschichte.
- Länge und Tempo:
Mit fast zwei Stunden Laufzeit wiederholen sich die Machtkämpfe. Die meta-erzählerische Struktur (Fletcher vs. Ray) bremst den Flow statt ihn zu beschleunigen.
Fazit
The Gentlemen ist ein klassischer Guy-Ritchie-Film für Fans seiner frühen Werke: überdreht, zynisch und voller stylischer Coolness. Die schillernden Darsteller (besonders Grant und Farrell) und die messerscharfen Dialoge machen ihn zum unterhaltsamen Zeitvertreib – trotz ausgelatschter Klischees und narrativer Lücken. Wer komplexe Charaktere oder politische Sensibilität erwartet, wird enttäuscht sein. Wer aber Action mit schwarzem Humor und britischem Schlagabtausch mag, findet hier Ritchies Rückkehr zu alter Form.