The Babadook (2014) – Ein Horrorfilm über Trauer und Albträume | Metascore 86

Ein mysteriöses Kinderbuch, eine zerrissene Mutter und ein Kind, das von einem Monster spricht: The Babadook taucht tief in die Abgründe von Trauer und Angst ein. Regisseurin Jennifer Kent inszeniert einen psychologischen Horrorfilm, der weniger auf Schockeffekte setzt als auf beklemmende Atmosphäre und emotionale Tiefe.

Handlung kurz erklärt

Amelia (Essie Davis) kämpft seit dem Tod ihres Mannes mit ihrer Rolle als alleinerziehende Mutter. Ihr Sohn Samuel (Noah Wiseman) leidet unter Albträumen und baut sich Waffen gegen ein unsichtbares Monster. Als Samuel ein Pop-up-Buch namens „Mister Babadook“ findet, beginnt ein Albtraum: Das Buch beschreibt eine Kreatur, die jeden heimsucht, der von ihr liest – und die nicht mehr verschwindet. Bald geschehen unerklärliche Dinge im Haus: Türen schlagen zu, Stimmen flüstern, und Amelia zweifelt an ihrem Verstand. Als Samuel behauptet, der Babadook habe Besitz von ihr ergriffen, eskaliert der Kampf zwischen mütterlicher Liebe und unkontrollierbarem Grauen.

Was den Film besonders macht

  1. Essie Davis’ intensive Performance:
    Als Amelia zeigt Davis die Zerrissenheit einer traumatisierten Mutter: müde, überfordert, zwischen Zuneigung und Wut. Ihr körperlicher Verfall – schweißnasse Haare, leerer Blick – macht die innere Verzweiflung sichtbar.
  2. Der Babadook als Symbol:
    Die Kreatur ist mehr als ein Monster: Sie steht für unverarbeitete Trauer, Schuldgefühle und den seelischen Abgrund. Ihr Design – schwarzer Hut, krallenartige Hände – wirkt wie ein albtraumhaftes Märchenwesen.
  3. Atmosphäre statt Jump-Scares:
    Der Film baut Spannung durch bedrohliche Stille, zerrende Geräusche (knarrende Dielen, Kratzen an Wänden) und düstere Bilder. Szenen wie der Kampf im Keller oder die „Babadook“-Reime im Pop-up-Buch erzeugen Gänsehaut ohne Blutbäder.
  4. Die Mutter-Sohn-Dynamik:
    Samuel ist kein typisches „nerviges Horror-Kind“. Seine Angst ist echt, seine Wut verständlich. Die Beziehung zu Amelia schwankt zwischen Hilflosigkeit und Verbundenheit – besonders, als er sie vor dem Monster retten will.

Schwächen

  • Langsamer Start:
    Die erste Hälfte konzentriert sich auf Amelias Alltagsleid und Samuels Verhaltensauffälligkeiten. Wer Action erwartet, muss Geduld mitbringen.
  • Verwirrende Wendungen:
    Manche Szenen verschwimmen zwischen Realität und Wahn (z. B. Amelias Visionen ihres toten Mannes). Nicht jeder Twist ist logisch nachvollziehbar.
  • Unbefriedigendes Ende:
    Die Lösung, den Babadook im Keller zu „füttern“, wirkt abstrakt. Ohne Vorwissen über die Trauer-Metapher könnte sie willkürlich erscheinen.

Fazit

The Babadook ist kein klassischer Gruselfilm, sondern eine düstere Studie über psychische Abgründe. Statt billiger Schocks bietet er emotionale Wucht: die Isolation einer überforderten Mutter, die Wut eines verunsicherten Kindes und die Unausweichlichkeit von Verlusten. Die herausragenden Darsteller und die dichte Atmosphäre machen ihn zu einem Horrorerlebnis, das unter die Haut geht – auch wenn das Ende nicht alle Fragen beantwortet. Ein Film, der zeigt: Die schlimmsten Monster wohnen nicht unter dem Bett, sondern in uns.