The Conjuring 2 (2016) – Gänsehaut in grauem London | Metascore 65

Ed und Lorraine Warren, die berühmten Paranormal-Experten, reisen im zweiten Teil der „Conjuring“-Reihe nach London. Dort hilft das Ehepaar einer alleinerziehenden Mutter, deren Haus von dämonischen Mächten heimgesucht wird. Regisseur James Wan setzt erneut auf dichte Atmosphäre und psychologischen Horror – diesmal in den tristen Straßen Englands der 1970er-Jahre.

Handlung kurz erklärt

Nach einem gefährlichen Einsatz im berüchtigten Amityville-Haus wird Lorraine Warren von Visionen einer dämonischen Nonne verfolgt. Gleichzeitig beginnt im Londoner Stadtteil Enfield die alleinerziehende Peggy Hodgson um Hilfe zu bitten: Ihre Tochter Janet wird von einem aggressiven Geist besessen, der sich als der verstorbene Vorbesitzer ihres Hauses ausgibt. Die Warrens reisen an, um den Fall zu untersuchen. Schnell wird klar, dass mehr dahintersteckt als ein einfacher Poltergeist – eine teuflische Entität nutzt Janet als Werkzeug, um die Familie zu zerstören.

Was den Film besonders macht

  1. Visuelle Unheimlichkeit:
    Die düsteren Farben Londons – Regen, Nebel, schmutzige Straßen – schaffen eine bedrückende Grundstimmung. Kontraste wie das grelle Rot der Nonnen-Figur „Valak“ oder das Blau von Janets Kleid in Besessenheitsszenen verstärken die bedrohliche Ästhetik.
  2. Charaktere mit Tiefe:
    Vera Farmiga und Patrick Wilson geben den Warrens menschliche Wärme. Ihre Sorge füreinander (etwa wenn Ed Lorraine vor ihren Visionen schützen will) macht sie glaubwürdig. Madison Wolfe als Janet überzeugt im Wechsel zwischen zerbrechlichem Mädchen und kratziger Dämonenstimme.
  3. James Wans Horror-Handwerk:
    Wan nutzt lange, schwebende Kamerafahrten durch das Hodgson-Haus, um Spannung aufzubauen. Klassische Jump-Scares (etwa ein springender Geist hinter einer Tür) kombiniert er mit subtileren Mitteln: ein sich selbst bewegender Wohnwagen, flüsternde Kinderstimmen oder ein Zoetrop, das den „Crooked Man“ zeigt.
  4. Dramatische Soundkulisse:
    Der Score von Joseph Bishara setzt auf bedrohliches Summen und schrille Streicher. Unerwartete Elemente wie Elvis‘ „Can’t Help Falling in Love“ (gespielt von Ed auf der Gitarre) schaffen emotionale Ruhepunkte – bevor der nächste Schock folgt.

Schwächen

  • Länge und Tempo:
    Mit über zwei Stunden wirken einige Szenen verzögert, besonders im Mittelteil. Dialoge über die Echtheit des Falls („Ist Janet eine Betrügerin?“) wiederholen sich.
  • Vorhersehbare Schocks:
    Wer den ersten Teil kennt, erkennt James Wans Muster: schweigende Dunkelheit, gefolgt von plötzlichem Lärm. Einige Szenen (z. B. die Nonne im Flur) verlieren dadurch Wirkung.
  • Logiklücken:
    Warum greift Valak die Warrens nicht früher an? Wieso ignoriert die Kirche ihre Hilferufe? Solche Fragen bleiben offen.

Fazit

The Conjuring 2 ist ein solider Horrorfilm, der Stärken des Originals weiterführt: gruselige Bilder, starke Hauptdarsteller und eine reale Basis (den Enfield-Poltergeist). Die dämonische Nonne „Valak“ wird zum ikonischen Gegenspieler der Warrens, und Londons triste Kulissen bieten frischen Schauplatz-Charme. Zwar leidet der Film unter Längen und etwas zu vielen Ideen (Geister-Alter Mann, Nonne, Crooked Man). Doch als Gesamtpaket überzeugt er durch handwerkliche Präzision und Szenen, die unter die Haut gehen – besonders für Fans klassisch inszenierter Geistergeschichten.