The Big Sick (2017) – Eine warmherzige, kluge Liebesgeschichte | Metascore 86

„The Big Sick“ ist ein besonderer Film – eine romantische Komödie, die nicht nur lustig ist, sondern auch tiefgründig und berührend. Basierend auf der wahren Geschichte des Comedians Kumail Nanjiani und seiner Frau Emily Gordon erzählt der Film von kulturellen Unterschieden, Familienkonflikten und der Macht der Liebe in schwierigen Zeiten.

Die Handlung kurz erklärt:

Kumail (Kumail Nanjiani), ein pakistanisch-amerikanischer Comedian in Chicago, lernt die Studentin Emily (Zoe Kazan) nach einem seiner Auftritte kennen. Zwischen ihnen funkt es sofort, doch ihre Beziehung wird auf eine harte Probe gestellt: Kumails traditionelle Familie drängt ihn zur arrangierten Ehe mit einer Pakistanerin, während Emily mit seiner Geheimnistuerei hadert. Als Emily plötzlich an einer rätselhaften Krankheit erkrankt und ins künstliche Koma versetzt wird, muss Kumail nicht nur mit ihren distanzierten Eltern (Holly Hunter und Ray Romano) klarkommen, sondern auch seine eigenen Ängste und Loyalitätskonflikte bewältigen.

Was den Film so besonders macht:

  1. Echte Emotionen statt Klischees:
    Der Film vermeidet typische RomCom-Fallen. Statt künstlicher Dramen zeigt er echte menschliche Abgründe: Kumails Angst, seine Familie zu enttäuschen; Emilys Verletzung über seine Heimlichtuerei; und die verzweifelte Hoffnung ihrer Eltern, als ihre Tochter zwischen Leben und Tod schwebt. Selbst in tragischen Momenten schimmert immer wieder Humor durch – wie im echten Leben.
  2. Holly Hunter und Ray Romano als Traumpaar:
    Hunter als scharfzüngige, beschützende Mutter und Romano als zurückhaltender, aber herzlicher Vater sind das heimliche Herzstück des Films. Ihre Chemie mit Kumail – anfangs voll Misstrauen, später voll zärtlicher Verbundenheit – ist so glaubwürdig wie berührend. Die Szene, in der sie gemeinsam Kumails peinlichen Stand-Up-Auftritt ertragen, ist perfektes Komödien-Gold.
  3. Kulturclash mit Tiefgang:
    Der Film zeigt, wie schwer es ist, zwischen zwei Welten zu balancieren. Kumails Eltern (Anupam Kher und Zenobia Shroff) sind keine Klischee-Bösewichte – sie lieben ihren Sohn, können aber seine Lebenswahl nicht verstehen. Die stummen Familientische, auf denen stets Fotos pakistanischer Brautkandidaten liegen, sagen mehr als Dialoge es könnten.
  4. Leichtigkeit trotz schwerer Themen:
    Selbst in Krankenhausgängen und vor Koma-Monitoren gelingt dem Film eine warme Leichtigkeit. Ob Kumail hilflos ein Riesen-Giraffe-Plüschtier kauft oder Beth (Hunter) einen rüpelhaften Fremden in der Bar verprügelt – der Ton bleibt stets liebevoll und lebensbejahend.

Kleine Schwächen:

  • Das erste Drittel wirkt etwas langsam: Die Beziehungsentwicklung zwischen Kumail und Emily läuft etwas schematisch ab, bevor die Krankheit die Handlung dynamischer macht.
  • Emily fehlt im Mittelteil: Da sie lange im Koma liegt, tritt Zoe Kazan etwas in den Hintergrund. Dafür entwickelt sich aber die Beziehung zu ihren Eltern umso intensiver.

Fazit:

„The Big Sick“ beweist, dass Romantik und Komödie auch ohne Albernheiten funktionieren. Er erzählt von schmerzhaften Wahrheiten – sei es rassistische Vorurteile („Was halten Sie eigentlich vom 11. September?“) oder die Angst vor dem Verlust des Partners –, ohne jemals manipulativ zu wirken. Die stärksten Szenen sind oft die leisesten:

Ein Film, der lacht, weinen und nachdenken lässt – ohne je aufdringlich zu werden. Kumail Nanjiani und Zoe Kazan sind ein charmant unperfektes Paar, Holly Hunter und Ray Romano liefern Oscar-reifes Supporting. Wer glaubt, RomComs seien oberflächlich, wird hier eines Besseren belehrt. „The Big Sick“ ist wie eine gute Tasse Tee: wärmend, ehrlich und tröstlich. Absolut sehenswert!